Hormonersatztherapie (HRT) und biologisches Altern

Studien zu den langfristigen Effekten einer HRT, insbesondere in Bezug auf das Altern und das Sterberisiko.

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Mit den Wechseljahren nimmt die Produktion von Östrogen und anderen Hormonen ab, was mit verschiedenen gesundheitlichen Veränderungen einhergeht. Einige Frauen nutzen eine Hormonersatztherapie (HRT), um Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen zu lindern. Allerdings gibt es widersprüchliche Studien zu den langfristigen Effekten einer HRT, insbesondere in Bezug auf das Altern und das Sterberisiko. Diese Studie wollte herausfinden, ob eine HRT das biologische Altern beeinflusst und ob es Unterschiede je nach sozioökonomischem Status gibt.

Die Studie nutzte Daten aus der UK Biobank, einer großen Gesundheitsstudie mit über 500.000 Teilnehmerinnen in Großbritannien. Die Datenerhebung zur HRT-Nutzung und zu biologischen Altersmarkern fand zwischen März 2006 und Oktober 2010 statt. Insgesamt wurden 117.763 Frauen nach der Menopause in die Analyse einbezogen.

Die Frauen wurden gefragt, ob sie jemals HRT genutzt haben („Ja“ oder „Nein“). Wenn sie mit „Ja“, antworteten, wurden zwei weitere Fragen gestellt: 1) Mit welchem Alter haben sie eine HRT begonnen? 2) Bis zu welchem Alter haben sie eine HRT genutzt? Daraus wurde berechnet, wie lange sie eine HRT angewendet hatten.

Das biologische Alter wurde mithilfe einer Methode namens "phenotypisches Alter" berechnet. Dazu wurden neun Biomarker aus Blutproben analysiert, die mit Alterungsprozessen und Krankheitsrisiken zusammenhängen. Der Unterschied zwischen dem chronologischen (echten) und biologischen Alter wurde als "biologische Altersdiskrepanz" bezeichnet. Ein negatives Ergebnis bedeutet, dass eine Person biologisch jünger ist als ihr chronologisches Alter. Ein positives Ergebnis bedeutet, dass eine Person biologisch älter ist als ihr tatsächliches Alter.

Der sozioökonomische Status (SES) wurde anhand folgender Kriterien bewertet: Bildungsniveau (höhere Bildung oder nicht), Einkommen (Haushaltseinkommen über oder unter 31.000 £ jährlich), Berufsstatus (angestellt oder nicht) und Townsend Deprivation Index (ein Maß für wirtschaftliche Benachteiligung).

Die Daten zu Todesfällen und Todesursachen wurden über nationale Gesundheitsregister erfasst. Dabei wurde zwischen der Gesamtsterblichkeit und Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs unterschieden.

Wichtige Ergebnisse:

  1. Zusammenhang zwischen HRT und biologischem Altern: Frauen, die eine HRT genutzt hatten, waren biologisch jünger als Frauen ohne HRT. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei Frauen, die erst mit 55 Jahren oder später mit einer HRT begannen, und bei Frauen, die eine HRT für 4 bis 8 Jahre genutzt hatten.

  2. Einfluss des sozioökonomischen Status: Frauen mit niedrigerem sozioökonomischem Status profitierten stärker von einer HRT in Bezug auf ein geringeres biologisches Altern. Frauen mit höherem Bildungsniveau hatten unabhängig von der HRT-Nutzung ein geringeres biologisches Altern.

  3. Verbindung zwischen HRT, biologischem Altern und Sterblichkeit: Das geringere biologische Altern erklärte einen Teil des Zusammenhangs zwischen der HRT und einer niedrigeren Sterblichkeit. Die biologische Altersdiskrepanz vermittelte etwa 12,7 % des Effekts einer HRT auf die Gesamtsterblichkeit. Besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen (19,3 % Einfluss) war dieser Zusammenhang stark.

Fazit:

Die Studie liefert Hinweise darauf, dass eine HRT das biologische Altern verlangsamen könnte, besonders bei Frauen mit niedrigerem sozioökonomischem Status. Dies könnte erklären, warum eine HRT mit einer niedrigeren Sterblichkeit in Verbindung steht. Dennoch bleiben einige Fragen offen, insbesondere zu möglichen Risiken wie Demenz oder Krebs.

Referenz:
Liu Y, Li C. Hormone Therapy and Biological Aging in Postmenopausal Women. JAMA Netw Open. 2024 Aug 1;7(8):e2430839.


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Prof. Dr. med. Petra Stute,

Stv. Chefärztin Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Frauenklinik Inselspital Bern, Schweiz

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